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Stadtschloss Berlin Initiative
Wir bauen das Schloss

Wir bauen das Schloss.

Rekonstruktion oder Fehlkonstruktion? – (17.01.2008)

Prof. Dr. Falk Jaeger,Roland Stimpel, Deutsches Architektenblatt

Der Wettbewerb um den Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldt-Forum hat begonnen. Der Inhalt wird weiterhin diskutiert; der Zugang zum Verfahren ist offener als zunächst geplant


Moderne ans Werk!
Gerade im Schloss kann zeitgenössisches Bauen triumphieren

Ist der Bundestag in Sachen Baukultur reaktionär? Im Berliner Parlaments- und Regierungsviertel merkt man nichts davon. Es dominieren Schultes und Braunfels; die großen und kleinen Kuppeln sind von Foster und Peichl, nicht von Wallot oder Stüler. Der Schlossplatz ist ein anderer Fall, dem sich kluge Parlamentarier folglich anders genähert haben. Hier stand Berlins historisch wie städtebaulich zentraler Bau. Seine Fassaden werden jetzt nicht aus eigenem Recht rekonstruiert, sondern abgeleitet aus Historie und Städtebau. Das war keine primär architektonische Entscheidung; damit ist es keine Niederlage des zeitgenössischen Bauens.
Die Einengung durch die Fassadenvorgabe sollten Wettbewerbsteilnehmer und Jury akzeptieren. Der Bauherr ist schließlich kein wilhelminischer Privatnostalgiker, sondern unsere Volksvertretung. Mehr Legitimität für seine Entscheidungen hat keiner im Land. Auch die Stadt, also die oberste Planungsinstanz, will den Bau.
Wer die Fassadenvorgabe als Architekt unzulässig einengend findet, der müsste ab sofort seine Tätigkeit auf einem weiten Feld einstellen: dem gesamten Bauen im Bestand. Da sind die Vorgaben noch weit enger als hier, wo es um drei Außen- und drei Hoffassaden geht. Thema auf dem Schlossplatz ist das Bauen im imaginären Bestand: Es gab ihn, es soll ihn wieder geben, er war mental sowieso nie ganz weg. Was für ein Beweis übrigens für die Kraft von Architektur: Sie kann für ein halbes Jahrhundert physisch verschwinden und ist doch nicht totzukriegen. Im Inneren ist zeitgenössische Museums- und Kommunikationsarchitektur gefordert. Die Herausforderung des Wettbewerbs besteht darin, hier die beste Form der Korrespondenz von innen und außen zu finden. Innovationskraft ist gefragt, nicht Nachmodellieren.
Mag sein, dass der Wettbewerb mit Anforderungen überfrachtet ist: Schlossfassaden der Vergangenheit sollen her und Ausstellungsräume der Zukunft. Die Keimzelle Berlins soll in Erinnerung geraten, ein äußerlich barocker Bau entstehen, aber möglichst auch eine Reminiszenz an den DDR-Palast. Wenn all das zu viel ist für ein Haus, dann wird der Wettbewerb dies ent¬larven. Dann müssen Jury und Bauherren sehen, wo sie Abstriche machen. Wenn aber ein zeitgenössischer Architekt die Synthese schafft, dann müssen wir vor ihm tief unseren Republikanerhut ziehen. Dann triumphiert die Moderne viel eindrucksvoller, als sie es mit einem reinen Neubau könnte.
Roland Stimpel


An den Pranger mit ihnen!
Wer beim Wettbewerb mitmacht, verrät die Zunft

uDass zeitgenössische Baukunst nicht mehr populär und mehrheitsfähig ist, wird von der Architektenschaft eher verstört zur Kenntnis ¬genommen. Beispiel Berliner Schloss: Dort ist das Kind in den Brunnen gefallen. Der Verkehrsminister hat den Wettbewerb für den ¬Wieder¬aufbau ausgeschrieben, der drei historische Fassaden zwingend ¬vorschreibt. Das Ergebnis wird eine Missgeburt sein, mit einer modernen Seite an der Spree, womöglich mit einer modernen Kuppel, und mit einer ins preußische Sandsteinkorsett gezwungenen zeitgenössischen Nutzung.
Aber die Architektenschaft ist an dem Desaster der Baukultur nicht unschuldig. An ernsthaften Alternativen hat es zwar nicht gefehlt, doch zu viele Vorschläge und Ideen kamen als unausgegorene Hirn¬gespinste oder dümmliche Albereien daher. Mit Ironien wie einem ¬Rummelplatz innerhalb der Schlosshülle, einer Anlage für Beachvolleyball, einem Schloss in Aspik oder einer neuen Aufmarschachse hat man die Menschen nur verschreckt und alles Vertrauen in die Fähigkeiten der zeitgenössischen Architektur verspielt. Die Schloss¬befürworter zeigten einfach vergilbte Fotos herum und gewannen alle Herzen.
Sollen sie ihr Faksimileschloss nun also bauen. Doch Baukultur, die sich der Auslober so gerne auf die Fahnen schreibt, geht anders. Umso ärgerlicher, dass sich die Architekten nicht empört abwenden! Was hat ein Rationalist wie Giorgio Grassi in dieser Innenarchitekturjury zu suchen, was eine Gesine Weinmiller? Und was der Stadtplaner Peter Zlonicky? David Chipperfield mag sich mit britischer Höflichkeit nicht getraut haben, abzusagen, aber konnte man nicht von einem Peter Kulka erwarten, dass er mit flammenden Worten den Bettel hinschmeißt? Er wolle das Schlimmste verhindern, erklärt er treuherzig, aber was soll denn noch Schlimmeres kommen, aus der Sicht seiner radikalen architektonischen Position?
Die Kammergewaltigen mögen sich mit den formalen Merkwürdigkeiten des Wettbewerbs auseinandersetzen. Vom Olymp des BDA indes erwarten wir Blitz und Donner und der Vorstand sollte schleunigst beschließen, dass alle Mitglieder, die sich die Ausschreibung beschaffen, strengstens verwarnt, und alle, die einen Entwurf abgeben, mit 33 Tagen Pranger und unehrenhafter Tilgung aus den Mitgliederlisten bedacht werden. 15 hochwohlmögende Preisrichter, die sich über höchstens elf eingegangene mediokre Entwürfe irgendwelcher architektonischer Hazardeure beugen und dann seufzend das Mandat zurückgeben, das müsste das hehre Boykottziel sein.
Professor Dr. Falk Jaeger ist Bauhistoriker in Berlin

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

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