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Stadtschloss Berlin Initiative
Wir bauen das Schloss

Wir bauen das Schloss.

Was soll ins Berliner Schloss? – (2.9.2009)

Patrick Bahners, FAZ

Alle paar Jahre wird Berlin von dem Gerücht aufgeschreckt, das meistbewunderte Objekt der Staatlichen Museen, die Büste der Nofretete, sei eine Fälschung. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz könnte Farbpartikeluntersuchungen eigentlich mit Gelassenheit abwarten. Denn im Fall des Nachweises der Fälschung müsste das schöne Stück nur verlegt werden. In der unmittelbaren Nachbarschaft der Museumsinsel, auf der anderen Seite des Lustgartens, stünde für die Zurschaustellung einer hypothetischen falschen Nofretete bald ein noch prächtigerer Rahmen bereit: im wiedererrichteten Stadtschloss der Hohenzollern.

Dort soll ein Humboldt-Forum einziehen, das die Preußenstiftung gemeinsam mit der Landesbibliothek und einer der drei lokalen Universitäten betreiben will. Die völkerkundlichen Sammlungen sollen aus Dahlem an den früheren Zentralort der Fürstenherrschaft verlegt werden, um der Demonstration eines politischen Gedankens unserer Tage zu dienen: der Gleichwertigkeit aller Kulturen. Die europäische Kultur, fordert als Schirmherr der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, der SPD-Politiker Thomas Krüger, habe sich einzureihen in die Gesamtheit gleich gültiger Weltkulturen.

Eine Ausstellung im Alten Museum mit dem anspruchsvollen Titel Anders zur Welt kommen führt derzeit einige Musterräume des geplanten Forums vor. Folgerichtig findet die Gleichgültigkeitsthese nicht nur auf ganze Kulturen Anwendung, sondern auch auf die einzelnen Objekte. Eine Kopie ist für die Zwecke des Humboldt-Forums genauso viel wert wie das Original. Sie kann in gleicher Weise betrachtet, beredet und bestaunt werden. Ein Stuckkopf, der 1960 irrtümlich als Meisterwerk der Maya-Klassik angekauft worden ist, wird im Großkapitel Tausch gezeigt: Wir sollen sehen, dass die Opfer europäischer Plünderer uns mit unseren eigenen Waffen des Geschäftssinns und des Kunstgewerbes geschlagen haben.
Ausstellungen zu anthropologischen Universalien gehören in ethnologischen Museen zum „state of the art". Nichts spricht dagegen, in einer Sonderschau „Das Wandern ist des Menschen Lust" die Götterschiffe aus Neuguinea neben die deutschen Autos türkischer Rückwanderer zu stellen. Aber das „Humboldt-Forum" nötigt die beteiligten Museen, ihre gesamte Sammlungspräsentation auf die Spielregeln dieser Didaktik des kombinatorischen Spektakels umzustellen.

Das Humboldt-Forum ist selbst das Produkt eines Tauschgeschäfts. Hinter den barocken Fassaden soll sich etwas Ultramodernes abspielen. Doch der Multikulturalismus mit den Fetischworten der Anerkennung des Anderen wirkt schon vor Baubeginn veraltet. Die Befürwortung des Humboldt-Forums im Bundestagsbeschluss von 2002 steht unter dem Vorbehalt, dass sich das Konzept bei näherem Hinsehen als angemessen erweist. Noch bis zum 17. Januar 2010 werden die Abgeordneten des neuen Bundestags Gelegenheit haben, sich im Alten Museum darüber ein Urteil zu bilden.

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