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Stadtschloss Berlin Initiative
Wir bauen das Schloss

Wir bauen das Schloss.

Die kurfürstliche Bibliothek im neuen Stadtschloss Berlin

Vortrag von Herrn Wischnewsky beim Stammtisch der Stadtschloss Berlin Initiative

Die nachfolgenden Darstellungen entstanden aus dem Studium der einschlä­gigen Fachliteratur, insbesondere den Abhandlungen von Goerd Peschken, Hans-Werner Klünner und dem letzten Schlossbaumeister am Kaiserlichen Stadtschloss zu Berlin, Albert Geyer.

Eventuelle Unzulänglichkeiten und Lücken meiner Ausführungen mögen Sie mir freundlicher Weise nachsehen. Ich sehe die Dinge hauptsächlich aus der Perspektive eines Bauingenieurs und das wird dem Einen oder Anderen nicht genügen.

Die Erschließung der im Lande verstreut liegenden Archive wäre unserem Thema gewiss förderlich, sie soll aber zunächst einmal den künftigen Archi­tekten und Historikern, sowie den Doktoranden dieser Fachgebiete vorbehalten bleiben. Für den heutigen Einstieg mögen die vor genannten Autoren uns genügen.

Wenn wir uns in diesem Kreis mit der Schlossgeschichte befassen, dann se­he ich dies vor allem als Ausdruck unserer Begeisterung für die Sache des Schlosses und als Bemühen um allgemeine Einsichten in die spannende Welt der Schlossbau- und Schlossgeschichte hier in Berlin.

Niemand kann und wird von Ihnen verlangen, dass Sie autodidaktisch sich zu den Höhen eines Architekten, eines Statikers, eines Historikers und ei­nes Kunstsachverständigen emporarbeiten.

Aber nun zum Thema "Die Kurfürstliche Bibliothek":

Sie kennen die Frühgeschichte der in Berlin-CölIn residierenden Kurfürsten in groben Zügen. Ich muss Sie mit dem Tun und Lassen des Kurfürsten Friedrich II., genannt “Der Eisenzahn“, nicht strapazieren - er und weitere frühe Thronfolger stehen ohnehin nicht im Zusammenhang mit einer Kurfürstlichen Bibliothek. Diese Herren hatten fürwahr andere Sorgen. Allein schon das Problem unklarer Machtverhältnisse und Thronfolge-Regelungen in Deutschland erlaubten keine gefestigte Schlossperspektive. Auch steckte den Regierenden immer noch die Angewohnheit im Blut, auf ständiger Rei­se durchs Land zu regieren.

Aber mit Kurfürst Johann Georg, er regierte von 1571 bis 1598, wird das Buch der Kurfürstlichen Bibliotheksgeschichte aufgeschlagen. Er beauftragte 1585 seinen Schlossbaumeister Rochus Graf zu Lynar u.a. mit dem Bau des Hauses der Herzogin und der Hofapotheke.

Das zunächst einmal für uns wichtigste Vorhaben ist die Hofapotheke. Bei meiner Spurensuche nach der Kurfürstlichen Bibliothek wurde ich erst sehr spät auf das Apothekergebäude aufmerksam. Es war eine von Albert Geyer in Sütterlinhandschrift notierte Anmerkung auf dem Grundrissplan des ersten Obergeschosses vom Schloss.

Da war also von einer Königlichen Bibliothek die Rede. Und tatsächlich, der Begriff Hofapotheke für diesen Gebäudeflügel irritiert!

Natürlich befand sich die Hofapotheke in einem Teil des Erdgeschosses, aber dem Kurfürsten war viel wichtiger das ebenfalls im Erdgeschoss gele­gene Laboratorium, denn dort versuchten Alchimisten für den Fürsten Gold herzustellen. Nun das gelang zwar nicht, aber damals glaubte man an den Erfolg.

Im ersten Obergeschoss wohnte der Apotheker und die Alchimisten - sie sollten mit der Außenwelt keinen Kontakt bekommen.

Im ersten Dachgeschoss der Hofapotheke, also auf der Höhe der Zwerch­giebelräume und vermutlich auch im zweiten Dachgeschoss entstand eine

Die dem Kurfürsten Johann Georg gefolgten Herrscher hinterließen keine mir bisher bekannten Spuren in Sachen Bibliothek.

Erst mit dem Großen Kurfürsten, der ab 1640 regierte, haben wir einen nachhaltigen Förderer der Kurfürstlichen Bibliothek. Er ließ den Buchbestand besser systematisieren und aufstocken.

Im Jahre 1661 erklärte er die Bibliothek für öffentlich zugänglich. Der 30jährige Krieg hatte nahezu alle Kirchen, Klöster, Burgen und Schlös­ser im geplünderten, gebrandschatzten und verwahrlosten Zustand versetzt. Der Große Kurfürst ließ die aus diesen geschleiften sakralen und profanen Bauten seines Herrschaftsgebietes noch auffindbaren Buch- und Kartenbe­stände retten und in die Kurfürstliche Bibliothek einordnen.

Ein Jahr vor seinem Tod, das war 1688, erteilte der Große Kurfürst seinem Schlossbaumeister Arnold Nering den Auftrag, in Verlängerung der Hofapo­theke ein weiteres Gebäude zu errichten, dass unter dem Begriff Bibliotheksbau geführt wurde. Auch hierbei irritiert der Name.

Der Bibliotheksbau sollte bei einer Tiefe von 14,40 m, eine Länge von 138 m aufweisen.

Im Erdgeschoss sollte eine Bildergalerie eingerichtet werden. Das erste

Obergeschoss, also die wichtigste Etage, sollte das Staatsappartement aufnehmen. Damit grenzte sich der Große Kurfürst von den Gepflogenhei­ten anderer Fürsten- und Königshäuser deutlich ab: Er versetzte die Regierungsgeschäfte weg von seinen Privatgemächern.

Das zweite Obergeschoss aber war ausschließlich der Kurfürstlichen Bib­liothek vorbehalten. Auf einer Fläche von fast 2.000 qm konnte sich die Bib­liothek entwickeln - ein wahrhaft großartiges Projekt dieses Fürstengeschlechts.

Man stelle sich vor, der Fürst verlässt seine Privatgemächer im Hauptgebäude des Schlosses und durchschreitet die “alte Bibliothek“ im Apothekerbau und gelangt so in den großen Neubau der Bibliothek. Er nimmt sich vielleicht das eine oder andere Buch zur Hand, bevor er die Treppe hinab steigt in die Regierungsetage, um dort seinen Geschäften als Souverän von Brandenburg-Preußen nachzugehen.

Aber das ist eine Vision, es kam nicht dazu. Der Große Kurfürst starb ein Jahr nach Baubeginn. Es war eben mal gerad‘ der Rohbau des Erdgeschos­ses fertig.

Der Thronfolger Kurfürst Friedrich III. hatte völlig andere Vorstellungen vom weiteren Schlossbau. Er strebte die Königskrone an und dazu wollte er ein Königliches Prunkschloss schaffen.

Er zeigte kein Interesse an der Vollendung des Bibliothekbaus. Die Arbeiten wurden eingestellt. Im Verlaufe späterer Jahre setzte man dem Erdgeschoss ein Dach auf und vollendete den Gebäudeausbau, um die nun einmal vorhan­dene Galerie nutzen zu können.

1720 jedoch ließ Friedrich, nun schon fast 20 Jahre in Königswürde, das Gebäude räumen - es verfiel recht schnell und wurde in mehreren Etappen wieder abgetragen. Die endgültig letzte Stunde des Bibliothekbaus schlug 1885, als der Kaiser Wilhelm II. den Ausbau der nach ihn benannten Straße und den Brückenschlag über die Spree anordnete. Die Ruine und auch ein Drit­tel der Hofapotheke mussten der neu angelegten Straße im Anschluss an die Allee Unter den Linden weichen.

Was aber war aus der Kurfürstlichen Bibliothek im Dachgeschoss der Hofapotheke geworden?

Es ist wohl erwiesen, dass der Sohn des Großen Kurfürsten ungeachtet sei­ner eigenen Schlossbauabsichten dennoch die Bibliothek bewahrte und im Sinne seines Vaters weiter führen ließ.

Der Hofbibliothekar Johann Raue sorgte dafür, dass der Bibliotheksbestand beständig weiter wuchs, teils durch Schenkungen, teils durch Ankauf, teils durch kostenlose Abgabe von Pflichtexemplaren der Autoren.

Die Bände wurden einheitlich in rotes Leder mit in Gold eingelegtem Titel auf dem Buchrücken gebunden.

Der Enkel des Großen Kurfürsten, König Friedrich Wilhelm 1. missachtete dann aber die Bibliothekseinrichtung, der Bibliothekar wurde entlassen, von einer öffentlichen Nutzung konnte keine Rede mehr sein.

Erst mit Friedrich dem Großen bekam das Schloss wieder einen der Kunst und der Literatur zugewandten Hausherren. Die Bibliothek wurde wieder er­neuert und gepflegt.

Friedrich der Große übertraf noch die Vorstellungen des Großen Kurfürsten, er veranlasste den Bau eines Bibliotheksgebäudes am Opernplatz - dieses Mal war es tatsächlich eine Bibliothek und nichts als eine Bibliothek und sie wurde tatsächlich gebaut, die Bibliothek in der Hofapotheke konnte in ein

großes schönes neues Gebäude umziehen. Die Berliner nennen dieses Ge­bäude wegen ihrer auffällig barocken Opernplatzfassade Kommode.Im Jahre 1780 war es soweit, die Kurfürstliche Bibliothek ging in die neu geschaffene Königliche Bibliothek auf.

Was aber mit den wertvollen Bibliotheksbeständen im und nach dem Zwei­ten Weltkrieg geschah, das ist eine andere Geschichte.

Der Vollständigkeit halber sei nachgetragen, dass spätestens seit der Zeit des Großen Kurfürsten neben der Kurfürstlichen Bibliothek immer wieder auch so genannte Handbibliotheken der Herrscher, manchmal auch deren Gemahlinnen und/oder Söhne geführt wurden. Diese Handbibliotheken zier­ten entweder Räume, die in der Hauptsache einem anderen Zweck dienten, wie dies z.B. im Falle des Arbeitszimmer Friedrich des Großen so war, oder diese Räume wurden ausschließlich als Bibliothek eingerichtet und ge­nutzt, Beispiel Königskammern im Eosanderbau des Lustgartenflügels, ein Bibliotheksraum, der erstaunliche 100 Jahre existierte, bevor der Kaiser Platz brauchte für Wohnungen seiner Gäste.

Und dann gab es noch die so genannte Hausbibliothek.

Seinen Anfang nahm die Hausbibliothek vermutlich im Jahre 1828, vielleicht an anderer Stelle interimsweise auch schon 1782, als die Kurfürstliche Bib­liothek ausgelagert war und möglicher Weise auf höherem Befehl ein kleiner Buchbestand zurück behalten wurde.

Im Jahre 1828 jedenfalls bezogen der Kronprinz und Gemahlin~1ie von Karl Friedrich Schinkel eigens für sie neu gestalteten Räume im ersten Obergeschoss des Hauses der Herzogin. Zwei zur Spreeseite weisende Räume legte man zusammen zur Bibliothek des Prinzenpaares.

Dieser exklusive Raum als Bibliothek! Das lässt auf große Wertschätzung des Bewohners für Wissenschaft und Literatur schließen.

Als der Prinz 1840 zum König Friedrich Wilhelm IV. gekrönt wurde, zog er standesgemäß in die Königskammern um.

Die Bibliothek im Haus der Herzogin beließ der König, wo sie war, hatte er doch ohnehin in den Königskammern eine Handbibliothek.

Er stellte einen wissenschaftlich ausgebildeten Bibliothekar ein, den Herrn Paul Duvinage, überließ ihn den Schinkelschen Bibliotheksraum als Wohn­ung und beauftragte ihn mit der Betreuung und Erweiterung der nunmehr sich zur Hausbibliothek heranwachsenden Handbibliothek des Prinzen. Das Ergebnis der fleißigen Arbeit des Bibliothekars und der finanziellen Ausstattung durch den König war schließlich ein Bestand von 20.000 Bänden Die Hausbibliothek wurde 1862 zunächst in den Zimmern der ehemaligen Kunstkammer im Mezzaningeschoss (3.OG) über den Paradekammern untergebracht, die aber nicht heizbar war.

Der Nachfolger Duvinages, Robert Dohme erreichte, dass die Bibliothek in das Haus der Herzogin und den unter der Galerie gelegenen Raum verlegt wurde. Das war 1874.

Nach dem Tod des Königs schlug der Bibliothekar dem nachfolgenden Kö­nig Wilhelm 1. vor, die Bibliothek nicht nur weiter zu führen, sondern sie auch mit den Bibliotheken früherer Könige und Fürsten der Hohenzollern zu vereinigen. Wilhelm 1. interessierte sich nicht sonderlich für das Schicksal der Bibliothek, schätzte aber das fachliche Urteil des Bibliothekars und genehm­igte die vorgeschlagene Zusammenlegung, allerdings nur in Bezug auf Bestandspflege und Zuordnung. Die Handbibliotheken im Berliner Schloss und in den anderen Schlössern des Königreiches blieben wo sie waren.

Der Kronprinz Friedrich sorgte aber dafür, dass bei einer anstehenden Um­gestaltung der Gemächer verstorbener früherer Herrscher die jeweiligen Bib­liotheksbestände in die Hausbibliothek des Berliner Stadtschlosses über­führt wurden.

So nimmt es nicht Wunder, wenn der Platzbedarf der Bibliothek ständig zu­nahm. Sie erstreckte sich schließlich vom Grünen Hut bis zum Ende des Ga­leriegebäudes auf der Ebene des ersten Obergeschosses. Sie bestand fort bis zum Untergang des Kaiserreiches und bis zum Untergang des Schlosses Was aber aus den vielen unschätzbaren Kostbarkeiten der Königlichen Handbibliothek im Zweiten Weltkrieg und danach wurde, das ist auch wieder eine andere Geschichte.

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